Als Sozialarbeiterin seit über dreißig Jahren gehe ich an der Seite von Menschen –
in verschiedenen Ländern, Zeiten und Lebensbrüchen. Ich habe zugehört, wo Worte fehlten, und Geschichten gehalten, die nie erzählt wurden:von Schmerz und Verlust, von Müdigkeit und Widerstandskraft, von einer stillen Stärke, die selten gesehen wird. Es gibt in uns einen Ort, über den kaum gesprochen wird. Einen stillen Raum. Einen Ort, der alles fühlt und gelernt hat zu schweigen. Unsere Seele trägt mehr, als Augen erfassen können. Im ständigen Wandel, im Lärm der Erwartungen, unter dem Druck, funktionieren zu müssen, geht vieles leise verloren. In der Sehnsucht nach Halt werfen wir Anker aus – in Momenten, in Menschen, in Betäubung. Manche halten kurz. Manche verletzen auf lange Sicht. Dieser Ort hier ist ein geschützter Raum. Ein Atemholen. Ein Innehalten. Hier darfst du – ganz anonym – einen Brief an deine Seele schreiben, ohne Antwort zu erwarten und dennoch gehört zu werden. Ein Brief an dich selbst. An Gefühle, die keinen Namen fanden. An Menschen, die gegangen sind. An jene, die nur noch in deinem Herzen wohnen, während zwischen euch Stille liegt. Dieser Brief ist eine leise Begegnung. Mit dem, was du getragen hast. Mit dem, was noch schmerzt. Mit den stillen Siegen, die niemand wahrgenommen hat und die doch dein Leben geformt haben.